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LVZ: Leipziger Volkszeitung zu Euro und Preisentwicklung

Geschrieben am 02.05.2008 - [Nächster Artikel]

Leipzig (ots) - Tatsache oder Täuschung? Hat der Euro das Leben in
Deutschland teurer gemacht oder nicht? Das ist die Gretchen-Frage,
die regelmäßig dann auftaucht, wenn die Statistiker die aktuelle
Preissteigerungsrate veröffentlichen. Oft wird dann der Euro als
Teuro verteufelt. Das klingt in den Ohren vieler Bundesbürger
logisch, glaubt doch nahezu jeder, dies am eigenen Leibe gespürt zu
haben, nachdem 2002 das neue Geld in die Portmonees kam. Deshalb
wünscht sich noch heute, zehn Jahre nach dem offiziellen Beschluss
zur Euroeinführung, ein Drittel der Deutschen die gute alte D-Mark
zurück.
Ein Körnchen Wahrheit ist natürlich immer dran: "Ich merke doch, um
wie viel schneller mein monatliches Budget aufgebraucht ist", mögen
viele sagen. Nur ist es eben zu einseitig und zu kurz gedacht, dem
Euro den Schwarzen Peter des Inflationstreibers in die Schuhe zu
schieben. Gewiss haben manche Händler und Gastwirte die Chance
genutzt, seinerzeit bei der Währungsumstellung klammheimlich ein
bisschen an der Preisschraube zu drehen. Dieser einmalige Effekt darf
aber nicht über die generelle Tendenz anziehender
Lebenshaltungskosten hinwegtäuschen. Sonst gerät man rasch in
Erklärungsnot: Wer erinnert sich etwa noch daran, dass in den
achtziger Jahren Butter umgerechnet mehr kostete als heutzutage? Wer
denkt an inzwischen deutlich günstigere Telefongebühren als in den
neunziger Jahren? Bei einem "Teuro" dürfte es diese Entwicklungen gar
nicht gegeben haben. Das Leben wird nun mal von Jahr zu Jahr teurer,
egal in welcher Währung gerechnet wird.
Der Preisauftrieb ist also nicht ursächlich dem Euro anzulasten,
sondern den globalen Entwicklungen. So lässt derzeit vor allem eine
rasch anziehende Nachfrage nach Energie und Rohstoffen die
Konsum-Preise ansteigen. Das zeigt sich an den Zapfsäulen ebenso wie
an der Strom-, Öl- und Gasrechnung. Mit fatalen Kettenreaktionen in
praktisch jeder Branche. Energie wird überall genutzt. Hinzu kommt
der weltweit rasant zunehmende Bedarf an Agrarrohstoffen und
Nahrungsgütern. Auch das heizt die Preise an - vor allem bei Waren
des täglichen Bedarfs. Kein Wunder, dass dadurch auch der tiefere
Griff in die Geldbörse viel häufiger auffällt als etwa Preissenkungen
bei elektronischen Geräten, deren Anschaffung höchstens alle paar
Jahre mal ansteht.
Schließlich wirkt die Mehrwertsteuererhöhung von 2007 nach, die
zahlreiche Produkte verteuert hat. Dem Euro ist dies allerdings
ebenfalls nicht anzulasten.
Zu guter Letzt hat die Währung ja auch an Kraft gewonnen. Vom
einstigen Tiefststand, als für einen Euro gerade mal 0,82 Dollar zu
haben waren, ist nichts mehr zu spüren. Zwar treibt der Kurs von fast
1,6O Dollar den Exportwirtschaftlern Sorgenfalten auf die Stirn.
Otto-Normal-Verbraucher profitiert dennoch davon: Reisen in den
Dollar-Raum sind billiger. Und: Der Spritpreis läge noch weit höher,
da Öl in Dollar gehandelt wird, so dass es günstiger auf dem
Weltmarkt zu haben ist.

Originaltext: Leipziger Volkszeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/6351
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_6351.rss2

Pressekontakt:
Leipziger Volkszeitung
Redaktion

Telefon: 0341/218 11558
 
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