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Aktienmärkte wieder im Aufwind?

Geschrieben am 22.04.2008 - [Nächster Artikel]

Frankfurt am Main (ots) - Konjunkturelle und systemische
Entwicklungen geben optimistische Impulse

- US-Geld- und Fiskalpolitik müsste ab Juni für Erholung sorgen
- Anhaltende deutliche Kursverluste unwahrscheinlich
- DAX zum Jahresende bei 7.800 Zählern erwartet

Zu Beginn des Jahres hatten Ängste vor einer Krise des
Weltfinanzsystems sowie die Konsequenzen aus der Entwicklung am
US-Immobilienmarkt für den privaten Verbrauch zwei Korrekturwellen am
Aktienmarkt ausgelöst. Dies hat den DAX im Tief auf unter 6.200
Punkte gedrückt. Zu Beginn der Berichtssaison hatte sich aber - trotz
einiger Verunsicherungen, beispielsweise durch die eher schwachen
Zahlen des US-Mischkonzerns General Electric - bereits eine spürbare
Erholung ergeben. Zeichnet sich also ein Ende der Talsohle an den
Aktienmärkten ab?

Geld- und Fiskalpolitik der USA greifen

"Neben den Exporten, die zuletzt auch durch die Abwertungen des
US-Dollars unterstützt wurden, kommen die entscheidenden Impulse in
den USA durch die Geld- und Fiskalpolitik", erläutert Gerrit Weber
vom Commerzbank Private Banking. So hatte die US-Notenbank im letzten
Halbjahr die Fed Funds Rate um 300 Basispunkte gesenkt und über
Liquiditätsspritzen den Geldkreislauf gestützt, um die
Funktionsfähigkeit des Geschäftsbankensystems sicherzustellen. Das
hat zum einen die Ertragslage der Banken operativ abgefedert und zum
anderen viele ausfallgefährdete Privathaushalte kreditseitig
aufgefangen. Es ist zu erwarten, dass diese Maßnahmen ab dem Frühjahr
auch die Gesamtwirtschaft positiv beeinflussen.

Hinzu kommen staatliche Steuerentlastungen von ca. 170 Milliarden
US-Dollar. Selbst bei niedriger Konsumquote wird das BIP der USA
dadurch schon im Mai spürbar anziehen. "Typischerweise dürften sich
demnach im Juni zunächst die Frühindikatoren des verarbeitenden
Gewerbes und die Umsätze am Immobilienmarkt festigen, bevor in den
Folgemonaten der private Verbrauch und die Industrieproduktion
nachziehen. Nachgelagert wird dann zum Jahresende der
Beschäftigungsabbau in der Privatwirtschaft auslaufen", so Weber
weiter.

Kurse stabilisieren sich - keine größeren Korrekturen zu erwarten

Über die Entwicklungen in den USA hinaus stellt sich die Frage, ob
weitere schwache Unternehmensdaten eine dritte Korrekturwelle
auslösen. Nach Ansicht der Experten im Commerzbank Private Banking
ist dies wenig wahrscheinlich. Stattdessen werden folgende Faktoren
den Aktienmarkt auffangen und Kursverluste infolge schlechter
Ergebnisse im 1. Quartal weitgehend auf die betroffenen Unternehmen
beschränken:

1. Die Dividendenrendite des DAX liegt mit gut 3,5% auf einem
historisch hohen Niveau. Bei einer nahezu stabilen Ausschüttungsquote
unterstreicht dies die hohe Gewinnqualität der Unternehmen.

2. Die Gewinnschätzungen für 2008 wurden vor der Berichtssaison
reihenweise gesenkt. Solche Kollektivmaßnahmen konnten in der
Vergangenheit als Kontraindikator häufig positiv gewertet werden.
Selbst im Falle weiterer Abschläge von 8 bis 10% (bezogen auf
Analystenschätzungen für 2009) wird ein KGV von 10 nicht drastisch
überschritten. Das ist mit Blick auf das niedrige Zinsniveau und
einen historischen Durchschnitt von 16 sehr günstig.

3. Die anhaltenden Aktienkäufe deutscher Vorstände signalisieren
Vertrauen in die Zukunft ihrer Unternehmen. Als Indikator ist das
Insider-Barometer, das im Auftrag des Commerzbank Private Banking an
der RWTH Aachen berechnet wird, derzeit auf einem Allzeithoch.

4. Weitere positive Impulse sind von Staatsfonds zu erwarten, die
beginnen, Teile ihrer am Geldmarkt geparkten drei Billionen US-Dollar
in Aktien umzuschichten.

5. Während energie- und rohstoffintensive Branchen unter dem
Anstieg ihrer Beschaffungskosten leiden, dürften in der Finanzbranche
die meisten Belastungen bekannt sein. Traurige Höhepunkte waren hier
die Übernahmeerklärung der Investment Bank Bear Stearns durch JP
Morgan sowie die Gewinnwarnung der UBS - beides hatte allerdings nach
anfänglichen Verlusten zur deutlichen Markterholung beigetragen.

Zudem haben zyklisch vorlaufende Indikatoren für den
US-Aktienmarkt, wie zum Beispiel der koreanische Aktienindex Kospi
oder der DJ Transport, ihren Abwärtstrend bereits verlassen - ein
Beleg für das zunehmende Vertrauen in eine bevorstehende, auch
konjunkturelle Stabilisierung der US-Wirtschaft.

Systemische Faktoren sprechen für das Ende der Finanzmarktkrise

Die Entwicklung des Aktienmarkts hängt neben konjunkturellen auch
von systemischen Bedingungen ab: "Zwar fehlen derzeit noch starke
Signale für die nachhaltige Überwindung systembedingter Risiken,
diese werden sich aber unserer Meinung nach im späten Frühjahr
einstellen", erklärt Weber. So symbolisiert beispielsweise der
jüngste Anstieg zweijähriger US-Staatsanleihen das wachsende
Vertrauen in die US-Geldpolitik, womit sich auch die Scheu gegenüber
den Systemrisiken verringern dürfte. Der kritische Wert für ein
anhaltendes Signal liegt aus Sicht der Experten des Commerzbank
Private Banking bei 1,8%.

Positiv lässt sich zudem der seit Mitte März von 650 auf unter 500
Basispunkte gefallene Index "Itraxx Crossover" interpretieren. Er
bildet die Kosten ab, zu denen sich Anleger gegen das Ausfallrisiko
bei europäischen Firmen mit schlechter Bonität absichern können. Zwar
hat die jüngste Verunsicherung zu einer leichten Gegenbewegung
geführt, der Markt orientiert sich aber inzwischen wieder stärker an
fundamental nachvollziehbaren Ausfallrisiken.

Spannungen auf dem europäischen Geldmarkt klingen ab

Der europäische Geldmarkt bleibt weiter angespannt. Doch auch wenn
technische Rahmenbedingungen am Quartalsende noch zu anhaltenden
Belastungen führen - die Anspannung sollte sich durch
unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen, wie zum Beispiel die
erweiterten Möglichkeiten der Geschäftsbanken, sich von der Notenbank
Liquidität zu beschaffen, in den kommenden Monaten spürbar
verringern. Die Stabilisierung dieses Marktes ist eine wichtige
Voraussetzung für die nachhaltige Überwindung der Systemrisiken.

Daher zeigen sich die Experten des Commerzbank Private Banking für
die zweite Jahreshälfte insgesamt optimistisch: Die Prognose für den
DAX von 7.800 Zählern im unteren Band zum Jahresende bewerten sie
weiterhin als realistisch. "Die kommenden Wochen sollten zum
sukzessiven Positionsaufbau genutzt werden", rät Weber abschließend.

Originaltext: Commerzbank Private Banking
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/54251
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_54251.rss2

Pressekontakt:
Commerzbank Private Banking
Public Relations
Thekla Wießner
60261 Frankfurt am Main
Tel. (069) 136 - 44552
Fax (069) 136 - 56928
E-Mail: PR.PrivateBanking@commerzbank.com
Internet: www.privatebanking.commerzbank.de
 
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