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LVZ: zu Festnahme von Kinderschänder Fahndungs-Krimi

Geschrieben am 20.04.2008 - [Nächster Artikel]

Leipzig (ots) - Von Armin Görtz
Ein Buchverlag hätte diesen Krimi wohl abgelehnt. Bis gestern.
Begründung: zu konstruiert. Doch das Leben hat die auf den ersten
Blick unglaublich scheinende Geschichte geschrieben. Die Story von
kanadischen Fahndern, die im Internet auf Kinderpornos stoßen, auf
denen sich eine Limoflasche und ein Schulbuch im Hintergrund als Spur
erweisen. Als die nach Mitteldeutschland führt, bekommen tausende
Grundschullehrer eines der Fotos vorgelegt - und tatsächlich werden
Täter und Opfer in Sachsen-Anhalt identifiziert. Am Stadtrand von
Leipzig klicken am Ende die Handschellen. Die Suche erinnert an den
spektakulären Mord von 1981, als an der Bahnstrecke Leipzig-Halle
eine Jungenleiche gefunden wurde - in einem Koffer, in dem zugleich
Zeitungen mit ausgefüllten Kreuzworträtseln steckten. Die Handschrift
führte die Polizei letztlich zum Täter. Auch der war pädophil.
Aufschlussreich ist es, die Unterschiede der beiden Fahndungen zu
betrachten. Die DDR erzielte den Erfolg auch, weil es in der Diktatur
möglich war, die Kapazitäten von Polizei und Stasi mühelos zu
vernetzen. Es waren keine rechtlichen Hürden zu überwinden, um sich
Zugang zu zehntausenden handschriftlich von Bürgern ausgefüllten
Formularen zu verschaffen. Der damalige, enorme behördliche Aufwand
erklärt sich nicht allein aus der Schrecklichkeit des Verbrechens.
Das Überleben eines autoritären Staates hängt davon ab, dass die
Menschen an seine Allmacht glauben. Deren Ehrfurcht würde bröckeln,
wenn ein Aufsehen erregendes Verbrechen unaufgeklärt bliebe. Von
diesem Druck sind heutige Ermittler frei. Aber an Ehrgeiz und
Beharrlichkeit fehlt es ihnen keinesfalls, selbst wenn es - wie beim
aktuellen Beispiel - um den düsteren Alltag geht. Die
Polizeistatistik verbucht jährlich mehr als 10 000 Fälle von
sexuellem Kindesmissbrauch - wohl nur die Spitze eines Eisberges.
Noch immer herrscht eine Unkultur des Wegschauens. Zu den Übergriffen
kommt es meist im familiären, verwandtschaft- oder
nachbarschaftlichen Kreis. Opfer, die sich offenbaren, erhalten oft
keine Hilfe, sondern werden als Lügner bezichtigt. Doch die
gesellschaftliche Sensibilität nimmt zu. Das reicht vom Papst, der
sich dieser Tage mit Missbrauchten traf, bis zum deutschen
Gesetzgeber. Der droht nicht nur den Sexgangstern selbst mit bis zu
zehn Jahren Haft, sondern hat das mögliche Strafmaß für den Besitz
vonKinderpornos auf fünf Jahre erhöht. Zugleich agieren die
Kriminalisten weltweit immer cleverer. Denn im Internet - Plattform
verbotener Tauschbörsen - lassen sich Spuren der Beteiligten
einfangen.
Der aktuelle Erfolg ist einer von inzwischen weltweit tausenden. Für
den Bürger, der über immer mehr Bürokratie klagt, ist es
beeindruckend zu erfahren, wie reibungslos Behörden global
zusammenarbeiten können, wenn sie es wollen. Nicht nur Polizisten aus
Kanada, das Bundeskriminalamt und mehrere Landeskriminalämter zogen
an einem Strang. Auch die mitteldeutschen Kultusministerien leisteten
Hilfe, gaben die Fotos an tausende Lehrer weiter. Ergebnis sind eine
einzelne Festnahme und ein großartiger Fahndungs-Krimi. Einer, über
den an Frühstücks- und Stammtischen, auf Schulhöfen und in Kantinen
geredet wird. Das ist vielleicht der wichtigste Erfolg. Solche
Debatten führen zum offenen Umgang mit einem Thema, dessen
Verschweigen Täter schützt.

Originaltext: Leipziger Volkszeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/6351
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_6351.rss2

Pressekontakt:
Leipziger Volkszeitung
Redaktion

Telefon: 0341/218 11558
 
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