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LVZ: Gefährlicher Hunger

Geschrieben am 13.04.2008 - [Nächster Artikel]

Leipzig (ots) - Von Andreas Friedrich
Was gab es für ein Stöhnen, als hier zu Lande der Preis für ein Stück
Butter auf über einen Euro kletterte. Ein paar Cent mehr zahlt man
nun für Milchprodukte. Demnächst kommen weitere Teuerungen - für
Brot, Brötchen und Bier. Denn Reis, Weizen und Mais verteuern sich.
Wir stöhnen und zahlen.
Die Antwort eines Mitteleuropäers unterscheidet sich erheblich von
der Reaktion vieler Millionen Menschen weltweit: Wir stöhnen, sie
hungern. Immer mehr Arme wissen nicht mehr, wie sie Reis und Mehl
bezahlen sollen. In Haiti und Ägypten kam es zu ersten Unruhen. Es
werden nicht die letzten sein, weil die Millionen in den
Armutsvierteln dieser Welt sich nicht selbst versorgen können, wie
die Landbevölkerung. Wenn die globale Politik nicht gegensteuert,
dass Grundnahrungsmittel für manche zu Luxusgütern werden, sind
Verteilungskriege nicht auszuschließen. Das ist fatal, nicht nur weil
Unruhen ums tägliche Brot schlimm genug, sondern weil sie zudem
politisch instrumentalisierbar sind.
Der Weltmarkt wird es nicht richten. Angebot und Nachfrage regeln den
Preis, aber stillen keinen Hunger. Das Angebot an Nahrungsmitteln
ging zurück. Anbauflächen wurden von Überschwemmungen oder Dürren
zerstört. Energiepflanzen zur Herstellung von Biosprit haben nicht
nur Regenwälder, sondern auch Reis- und Maisfelder verdrängt. Und die
Lager sind leer. Gleichzeitig stieg die Nachfrage, weil wachsender
Wohlstand in Indien und China den Verbrauch ankurbelt. Gemeinsam mit
horrendem Ölpreis und schwachem Dollar heizt das die Kosten für
Nahrungsmittel an. Deren Anbau kann gar nicht so schnell erhöht
werden, wie die Preise in den Himmel schießen.
Dem Markt ist das egal, er hat kein Gewissen. Leider trifft dies auch
für manche Agrarpolitiker zu, sonst hätten sie die Subventionen
längst abgeschafft, mit denen die Bauern der Industriestaaten vor den
Konkurrenzprodukten aus der Dritten Welt geschützt werden. Auch
deswegen lohnt es sich für viele Staaten nicht, die Anbauflächen zu
erhöhen. Es ist Zeit, den Welthandel mit Nahrungsmitteln wirklich
freizugeben. Zudem müssen Weltbank und Währungsfonds im Zusammenspiel
mit Vereinten Nationen eingreifen. Kurzfristig hilft der Einsatz von
Geld, um den Hunger der Ärmsten zu stillen. Langfristig bedarf es
gezielter Entwicklungshilfe, damit arme Staaten mehr Getreide
anbauen, um von den steigenden Preisen zu profitieren und diese zu
regulieren. Das sind strategische Entscheidungen, die nur begrenzt
Geld kosten. Doch sitzt der Westen das Problem aus, kann es richtig
teuer werden.

Originaltext: Leipziger Volkszeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/6351
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_6351.rss2

Pressekontakt:
Leipziger Volkszeitung
Redaktion

Telefon: 0341/218 11558
 
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