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Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) kommentiert:

Geschrieben am 10.04.2008 - [Nächster Artikel]

Bielefeld (ots) - In Deutschland fehlt es immer noch an Nachwuchs
- trotz der Einführung des Elterngeldes vor 15 Monaten. Kaum ein
Thema wird so emotional diskutiert wie die Kinderbetreuung. Alle paar
Wochen werden neue Anregungen geboren: Betreuungsgeld (»Herdprämie«),
staatliche Förderung von privaten Kindertagesstätten und die
moralisierende Debatte, in welchem Alter die Krippe eher schadet als
nützt. Krönung des schlechten Geschmacks war die These der
Linken-Politikerin Christa Müller, Bildung und Erziehung kleiner
Kinder in Kindertagesstätten sei mit den Folgeschäden durch
Genitalverstümmelung vergleichbar. Da fehlen einem die Worte.
Elterngeld ist eine feine Sache. Nach zwölf Monaten allerdings
stellt sich in vielen Familien die Frage von Neuem, wie die Betreuung
geregelt werden soll, wenn der Elternpart, der bislang zu Hause
blieb, wieder ganz oder teilweise ins Berufsleben zurückkehrt.
Eine echte Zwickmühle, insbesondere für Mütter: Nimmt die junge Mama
nicht innerhalb einer gewissen Frist ihre Position wieder ein, dann
ist der Zug in der Regel abgefahren. Tauscht sie die Wickeltasche
nach einem Jahr allerdings tatsächlich wieder gegen den Aktenkoffer,
muss sie damit rechnen, als herzlose Karrierefrau abgestempelt zu
werden.
Dabei hat soeben die Studie »Frauen auf dem Sprung« der Zeitschrift
»Brigitte« an den Tag gebracht, dass mehr als zwei von drei Frauen
sich eine Familie mit Kindern wünschen, allerdings kompromisslos auf
ein Miteinander von Beruf und Kindern setzen, bei dem es keinen
»Entweder, oder«-Perfektionismus gibt.
So trifft es also keinesfalls die realen Bedürfnisse der Familien,
nach einspurigen Lösungen zu suchen. Vielfalt ist gefragt! Kein Kind
ist wie das andere, keine Familie wie eine zweite. Persönliche und
berufliche Entwicklung, die finanzielle Lage, das familiäre Umfeld,
religiöse und andere Überzeugungen: Viele Aspekte werden von Eltern
in die Waagschale geworfen, wenn sie entscheiden, wie ihr Nachwuchs
groß werden soll, ob und wann Sohn oder Tochter in die Krippe, in den
Kindergarten, zur Tagesmutter oder vielleicht besser in gar keine
Fremdbetreuung gegeben werden.
Und was muss der Staat tun? Er sollte seine Kernaufgabe erfüllen,
ein ordentliches Sümmchen Steuergeld in die Hand nehmen und schlicht
und ergreifend die Infrastruktur schaffen, die Frauen und Männer zur
Gestaltung ihres Familienlebens brauchen. Ob das Krippenplätze in
privater oder öffentlicher Hand sind, ist egal. Wichtig ist, dass sie
hochwertig, flexibel und bald in großer Zahl vorhanden sind.
Nötig wäre bei allem Kluggerede in der Politik übrigens ein gehöriges
Maß Respekt vor den Entscheidungen der Eltern: Sie - und nur sie -
wissen am allerbesten, was das Beste für ihre Kinder ist. Egal, für
welches Modell sie sich entscheiden. Sicher ist: In einem glücklichen
Elternhaus wachsen auch glückliche Kinder heran. Das zu verstehen,
kann doch nicht so schwierig sein.

Originaltext: Westfalen-Blatt
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/66306
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_66306.rss2

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261
 
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