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stern: Gewerkschaftsaffäre bei Pin Group erreicht Springer-Vorstand

Geschrieben am 09.04.2008 - [Nächster Artikel]

Hamburg (ots) - Die Gewerkschafts-Affäre um den privaten
Postdienst Pin Group bringt nun auch den ehemaligen Pin-Großaktionär
Axel Springer in Bedrängnis. So hat das Management der mittlerweile
insolventen Pin Group die Gewerkschaft der Neuen Brief- und
Zustelldienste (GNBZ) nicht nur diskret finanziert, sondern sie im
Herbst vergangenen Jahres sogar selbst ins Leben gerufen. Über die
heiklen Gründungsmodalitäten der Marionetten-Organisation war der
Vorstand des Springer-Konzern zumindest informiert, wenn er nicht
sogar daran beteiligt war. Das berichtet das Magazin "stern" in
seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe.

Im Streit um den Mindestlohn sollte mit der GNBZ ein Konkurrent zu
Ver.di aufgebaut werden. Einmal berichtet das Pin-Management
schriftlich an den Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner, es
sei mit der Gründung der Gewerkschaft schon recht weit, es fehle
allerdings noch ein Vorsitzender.

Ein anderes Mal wurde eine brisante Mail des Arbeitgeberverbandes
Neue Brief- und Zustelldienste (Agv NBZ) an Döpfner weitergeleitet.
In der Mail stellt der Verbands-Vize Bernd Jäger seinen Kollegen im
Verbandsvorstand am 1. Oktober 2007 die Idee zur Diskussion, Pin und
der niederländische Briefdienst TNT sollten eine "eigene Gewerkschaft
gründen, mit der wir einen Tarifvertrag abschließen". Jäger
empfiehlt, den Gewerkschaftsvorstand mit "vernünftigen Mitarbeitern
zu besetzen."

Die Tatsache, dass neben dem Pin-Management zu jener Zeit offenbar
auch andere auf die Idee mit der neuen Gewerkschaft gekommen sind,
finde er "lustig", schreibt Springer-Chef Döpfner zurück: "Das Beste
ist immer, viele Väter einer Idee zu haben."

Springer bestätigt die Existenz eines entsprechenden
Schriftverkehrs indirekt und erklärt: "Selbstverständlich hatte der
Vorstand der Axel Springer AG viel Sympathie für das Zustandekommen
einer Gewerkschaft, weil dies die logische Voraussetzung für einen
alternativen Tarifvertrag war. Deshalb haben wir uns auch gefreut,
dass es 'viele Väter dieser Idee' gab." Einzelheiten der
Gewerkschaftsbildung habe der Springer-Vorstand nicht gekannt. Auch
die Finanzierung der GNBZ habe Springer nicht "veranlasst oder
gebilligt".

Verbandsfunktionär Bernd Jäger vom Arbeitgeberlager gab an, er
habe lediglich von einem "Brainstorming" berichten wollen; er sei in
die Gründung der GNBZ nicht involviert gewesen.

Vor kurzem war bekannt geworden, dass Pin die Gewerkschaft GNBZ
mit über 130000 Euro gesponsert hatte. Die Staatsanwaltschaft Köln
ermittelt in dem Fall wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und der
Untreue. Die Finanzierung war über eine Wirtschafts- und
Steuerberatungsfirma in Köln abgewickelt worden, die damals das
Pin-Management beriet. Diese Kanzlei hatte auch den ehemaligen
Tengelmann-Manager Arno Doll für den Vorsitz der neuen Gewerkschaft
angeworben. Das bestätigte Doll nun auf stern-Anfrage.

Originaltext: Gruner+Jahr, stern
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/6329
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_6329.rss2

Pressekontakt:
Für Rückfragen: stern-Nachrichtenredaktion 040-3703-3555
 
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