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LVZ: zum Transrapid-Aus Kollektives Versagen

Geschrieben am 27.03.2008 - [Nächster Artikel]

Leipzig (ots) - Von Thilo Boss
Traurig, traurig, aber wahr. Der Transrapid wird in der
Bundesrepublik nicht mehr schweben, mit Ausnahme der Teststrecke im
Emsland natürlich. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD)
und Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) haben gestern
überraschend nach einer Krisensitzung mit den beteiligten Unternehmen
die Notbremse gezogen. Das Aus für die Strecke vom Münchner Flughafen
in die Innenstadt begründeten sie mit den stark gestiegenen Kosten,
die mit 3,4 Milliarden Euro jetzt nahezu doppelt so hoch wären, als
ursprünglich geplant. Der Technologie-Standort Deutschland hat damit
eines seiner wenigen Leuchtturmprojekte verloren. Die Außenwirkung
ist verheerend.
Und das ist umso blamabler, weil das Projekt nach jahrelangem
Hickhack vom ehemaligen bayerischen Regierungschef Edmund Stoiber
(CSU) und von der Bundesregierung als Beleg für die Leistungskraft
der deutschen Wirtschaft vollmundig angekündigt worden war. Übrig
geblieben ist nun nur die Strecke in Shanghai. Doch die wird kaum
ausreichen, um die Technologie weiter erfolgreich weltweit zu
vermarkten. Zumindest wird es jetzt wesentlich schwieriger, wenn es
das Mutterland der Technologie noch nicht einmal schafft, ein
Mini-Projekt umzusetzen. Das schürt Zweifel. Tiefensees Hoffnung, die
Transrapid-Technologie lasse sich in anderen Ländern vielleicht doch
noch realisieren, klingt deshalb schon obskur.
Nun ist es müßig, sich den Schwarzen Peter gegenseitig in die Schuhe
zu schieben. Denn versagt haben alle, im Kollektiv sozusagen. Bayern,
weil es als eines der reichsten Bundesländer und Profiteur der neuen
Technologie keinen Cent mehr aus der Staatskasse locker macht. Der
Bund ebenso, zumal die Kassenlage wesentlich besser als in den
vergangenen Jahren ist und die Steuereinnahmen kräftiger als erwartet
sprudeln. Und auch die Wirtschaft gibt ein schlechtes Bild ab. Denn
das Konsortium um Siemens, ThyssenKrupp und Hochtief hatte erst im
Herbst 2007 dem Zielpreis von knapp zwei Milliarden Euro zugestimmt.
Dilettantisch kalkuliert, kann man da nur sagen.
Schadensbegrenzung ist angesichts des Imageverlustes allerdings nicht
mehr möglich. Doch die Politik und die Wirtschaft müssen Lehren aus
dem Desaster ziehen. Dabei geht es vor allem darum, ob Deutschland
bereit ist, Geld in die Hand zu nehmen, um die im eigenen Land
entwickelten Technologien auch in die Praxis umzusetzen. Die Antwort
kann nur ein eindeutiges Ja sein, und sie ist vergleichbar mit der
Argumentation, als das Maut-System umgesetzt wurde. Denn nur wenn ein
Produkt eingeführt ist, kann es in der Regel erfolgreich vermarktet
werden.
Davon lebt ein rohstoffarmes und auf den Export ausgerichtetes Land
wie die Bundesrepublik. Um den Lebensstandard und Arbeitsplätze zu
halten, muss es technologisch die Nase vorn haben. Billig produzieren
kann die Konkurrenz in Osteuropa und Fernost nämlich besser. Darum
ist es so wichtig, dass der Staat und die Industrie bei der
Technologieförderung eng Hand in Hand arbeiten - und das kostet
manchmal auch ein paar Euro mehr.

Originaltext: Leipziger Volkszeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/6351
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_6351.rss2

Pressekontakt:
Leipziger Volkszeitung
Redaktion

Telefon: 0341/218 11558
 
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