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Der Tagesspiegel: Verdi: Vier Konzerne beherrschen den deutschen Klinikmarkt

Geschrieben am 21.03.2008 - [Nächster Artikel]

Berlin (ots) - Nun hat Deutschland selbst die USA überrundet. In
keinem anderem vergleichbaren Industrieland werden so viele und so
große Krankenhäuser an private Investoren verkauft. Dies belegt eine
aktuelle Erhebung der Gewerkschaft Verdi, die dem Tagesspiegel
vorliegt. Der Marktanteil renditeorientierter Klinikkonzerne liegt
hierzulande inzwischen bei 14,1 Prozent - in den Vereinigten Staaten
sind es 14,0 Prozent. Höher ist die Rate nur noch in Frankreich, wo
allerdings in den vergangenen zehn Jahren kein einziges Krankenhaus
mehr privatisiert wurde. Außerdem gehörten die Häuser dort meist
kleinen lokal verwurzelten Trägern, von denen die Hälfte gar keinen
Erwerbscharakter habe, sagte Verdi-Experte Niko Stumpfögger. Kliniken
mit mehr als 70 Betten befänden sich in Frankreich fast ausnahmslos
in öffentlicher Trägerschaft.

In Deutschland hingegen gehen auch immer mehr so genannte
Maximalversorger an private Konzerne. Beim "größten Klinikverkauf in
der Geschichte Europas" übergab Hamburg 2005 trotz Bürgerprotests
gleich sechs Kliniken mit 11.000 Beschäftigten der Asklepios GmbH.
"Damit hat sich eine Millionenstadt von einem einzigen Klinikkonzern
abhängig gemacht", sagt Stumpfögger. "Weltweit einmalig" sei auch der
Verkauf eines Universitäts-Klinikums in Hessen. Die vorher erst
fusionierten Häuser in Gießen und Marburg gehören seit 2006 dem
Marktführer in Deutschland, der Rhön Klinikum AG.

Mit weiteren Verkäufen im vergangenen Jahr ist der Marktanteil
öffentlicher Krankenhäuser in Deutschland nach Verdi-Angaben erstmals
unter die 50-Prozent-Marke gefallen. Die meisten Verkäufe gab es 2007
in Nordrhein-Westfalen. Das größte war das Klinikum Krefeld mit mehr
als 3000 Beschäftigten. Dass vor in NRW privatisiert wird, liegt nach
Stumpföggers Ansicht an der geringen Investitionsquote. "Praktisch
jeder Verkauf eines Krankenhauses hängt mit Investitionsproblemen
zusammen", sagt er.
Bei den privaten Aufkäufern bilde sich zunehmend ein "Oligopol" aus
vier Konzernen heraus, sagte Stumpfögger: die Rhön-Klinikum AG
(31.800 Beschäftigte), die Fresenius-Helios Gruppe (30.000), die
Asklepios Kliniken (28.200) sowie die Sana Kliniken AG (14.500). Eine
Folge der zunehmenden Privatisierung könne die Abhängigkeit von
diesen Konzernen werden, warnt der Experte. Schließlich behalte die
öffentliche Hand ihren Versorgungsauftrag. Bei drohenden
Klinikschließungen müsse sie entweder einspringen oder die
Bedingungen der Betreiber akzeptieren.

Außerdem werde die Situation unsicherer. "Wer heute Krankenhäuser
verkauft, weiß nicht mehr, wem sie morgen gehören", sagt Stumpfögger.
Möglich seien auch Megafusionen oder die Übernahme durch
Finanzinvestoren mit wenig Interesse an den bisherigen
Qualitätsansprüchen. Globale Player könnten auch im Gesundheitswesen
zunehmend Platz greifen und Entwicklungen diktieren. Verantwortlich
für diese Entwicklung ist der Verdi-Studie zufolge ein Wandel des
ordnungspolitischen Verständnisses, den es nach Stumpföggers Meinung
"selbst im Berlusconi-Italien und im Thatcher-England in dem Ausmaß
nicht gegeben" habe.

Originaltext: Der Tagesspiegel
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/2790
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_2790.rss2

Pressekontakt:
Der Tagesspiegel
Chef vom Dienst
Thomas Wurster
Telefon: 030-260 09-308
Fax: 030-260 09-622
cvd@tagesspiegel.de
 
 
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