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Pandemie: Notfallplanung in fast jedem zweiten Unternehmen mangelhaft

Geschrieben am 20.03.2008 - [Nächster Artikel]

Hamburg (ots) - Im Fall einer Influenzapandemie ist die
Auftragsabwicklung bei 88 Prozent der Unternehmen in Deutschland
gefährdet. Für jeden vierten Betrieb können die Folgen einer
massenhaften Erkrankung der Bevölkerung existenzgefährdend sein. Der
Grund: In der Hochphase einer solchen Krankheitswelle müssen Betriebe
damit rechnen, dass bis zu 50 Prozent der Belegschaft nicht zur
Arbeit erscheinen. Darüber hinaus bedroht der krankheitsbedingte
Ausfall von Zulieferern den Geschäftsbetrieb. Fast 70 Prozent der
Unternehmen sind in einem solchen Fall von Produktionsausfällen
betroffen. Angesichts dieser Bedrohungslage ist es erstaunlich, dass
sich nur etwa die Hälfte der Fach- und Führungskräfte mit einem
Notfallplan auf eine Influenzapandemie vorbereitet haben. Das sind
Ergebnisse der Neuauflage der Studie Themenkompass Pandemie 2008, die
im Auftrag des IMWF Instituts für Management- und
Wirtschaftsforschung und des F.A.Z.-Instituts erstellt wurde.

Rund 80 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass bei
fehlender Notfallplanung im Pandemiefall mit großen Umsatzverlusten
zu rechnen ist. Trotz dieses großen Problembewusstseins hinken 45
Prozent der Betriebe mit ihrer Pandemievorsorge hinterher. Die große
Mehrheit dieser Firmen (91 Prozent) kommt aus dem Mittelstand.
Immerhin 41 Prozent haben ihre Planungslücke erkannt und wollen bis
2010 einen entsprechenden Vorsorgeplan erstellen.

Ein besonders kritisches Planungskriterium ist der Ausfall von
Mitarbeitern. Denn im Pandemiefall müssen Unternehmen damit rechnen,
dass deutlich mehr Personal nicht zur Arbeit erscheint, als
tatsächlich erkrankt ist. Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr,
die Betreuung erkrankter Familienangehöriger oder auch vorsorgliches
Fernbleiben vom Arbeitsplatz werden von Experten als zusätzliche
Risikofaktoren genannt. Bei einer Erkrankungsrate von 30 Prozent der
Bevölkerung gehen die Fachleute davon aus, dass gut die Hälfte der
Mitarbeiter eines Unternehmens zu Hause bleibt. Diese Gefahr wird von
jedem zweiten Geschäftsführer und Vorstand unterschätzt. Die
Verantwortlichen rechnen nur mit einem Krankenstand bis maximal 30
Prozent.

Neben einer engen Verflechtung mit Partnern gilt es für die
Unternehmen, kritische Bereiche zu identifizieren, die in der
Krisensituation unbedingt aufrechterhalten werden müssen. Großen
wirtschaftlichen Schaden verursacht beispielsweise der Ausfall von
EDV-Anlagen oder der zentralen Verwaltung. Daher kann es sinnvoll
sein, sich auf diese Bereiche zu konzentrieren und weniger kritische
Unternehmensteile vorübergehend stillzulegen. 40 Prozent der Betriebe
haben eine entsprechende Analyse der Arbeitsabläufe durchgeführt. Sie
wollen im Ernstfall versuchen, die Mitarbeiter, die in diesen
Schlüsselfunktionen beschäftigt sind, besonders zu schützen. Experten
empfehlen außerdem, im Rahmen der betrieblichen Pandemieplanung
verschiedene Szenarien zu berücksichtigen, da nicht alle Grippeviren
gleich gefährlich sind. Der Notfallplan sollte auf die möglichen
Ausprägungen im Einzelfall anzupassen sein. Je nach Branche können
beispielsweise die Hygienemaßnahmen unterschiedlich ausfallen. Sie
beinhalten unter anderem das Bereithalten von Desinfektionsmitteln
und einer ausreichenden Menge an Medikamenten, sowie das Angebot an
die Mitarbeiter, sich rechtzeitig gegen Grippe impfen zu lassen.

Die Verantwortung für solche Maßnahmen des Krisenmanagements trägt
in gut der Hälfte der Unternehmen die Geschäftsleitung. Andere
Betriebe übertragen diese Aufgaben dagegen speziellen Arbeitsgruppen,
dem Betriebsarzt oder der Personalabteilung (jeweils rund 15
Prozent).In vielen Fällen werden darüber hinaus Schnittstellen
zwischen den einzelnen Beteiligten gebildet. Unternehmen die bereits
einen Notfallplan erstellt haben legen zu 90 Prozent besonderen Wert
darauf, ihre Mitarbeiter über das Ansteckungsrisiko zu informieren.
Ein Großteil dieser Betriebe definiert zudem so genannte "kritische
Funktionen", deren Aufrechterhaltung sichergestellt werden muss. Acht
von zehn Befragte planen in diesem Zusammenhang, bestimmte
Mitarbeiter eine gewisse Zeit von zu Hause aus arbeiten zu lassen.
Daneben wollen gut 70 Prozent im Pandemiefall Reisen ins Ausland
streichen, um die Verbreitung der Influenza nicht zu begünstigen.
Nachholbedarf besteht dagegen noch bei der Bereitstellung von
Medikamenten. Zwar planen dies rund sechs von zehn Unternehmen. Aber
nur maximal 30 Prozent der Belegschaft könnten von der vorgesehenen
Menge profitieren.

Die Vielschichtigkeit der Planungsaufgaben zeigt, dass die
staatliche Vorsorge für den Pandemiefall allein nicht ausreicht, um
den Schutz der Unternehmen zu gewährleisten. Der nationale
Pandemieplan liefert allerdings wichtige Leitlinien, an denen sich
die Verantwortlichen in den Betrieben orientieren können. Auf breite
Kritik stößt bei der Unternehmerschaft jedoch die Tatsache, dass die
Pandemievorsorge im Zuge des Katastrophenschutzes Ländersache ist.
Zur konkreten Pandemievorsorge hat daher jedes Bundesland einen
eigenen Notfallplan entwickelt, in denen die Regelungen teilweise
deutlich voneinander abweichen. Besonders bei der Bevorratung von
Medikamenten für die Bevölkerung gibt es große Unterschiede. Mehr als
sieben von zehn Unternehmen würden die Pandemieplanung daher im Sinne
einheitlicher Vorgaben lieber vom Bund geregelt sehen. 60 Prozent
gehen sogar noch weiter und sagen, dass die Pandemieplanung in die
Hände internationaler Organisationen gehört.

Hintergrundinformationen
Das Marktforschungsinstitut forsa hat im Januar 2008 im Auftrag des
IMWF Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung und des
F.A.Z.-Instituts 100 Verantwortliche für das Krisenmanagement aus der
Deutschen Wirtschaft zu ihren Vorbereitungen auf den Fall einer
Influenzapandemie befragt. Die Ergebnisse werden in der Studie
"Themenkompass 2008 Pandemie" veröffentlicht.

IMWF - Institut für Management- und Wirtschaftsforschung
Das IMWF wurde aus der Erfahrung heraus gegründet, dass die
Ergebnisse wissenschaftlicher Ausarbeitungen und Marktanalysen für
Entscheider in der Wirtschaft oftmals nicht die hinreichende
Praxisnähe und Relevanz haben. In Folge dessen bleibt die
Unterstützung wissenschaftlicher Institutionen durch Unternehmen
oftmals hinter den Erwartungen der Lehrstühle zurück. Vor diesem
Hintegrund versteht sich das IMWF als Plattform, auf der Kontakte
zwischen Wissenschaft und an fundierter Aufarbeitung relevanter
Management- und Wirtschaftsthemen interessierter Unternehmen geknüpft
werden. Dieses Netzwerk wird wesentlich durch Wilhelm Alms aufgebaut.
Er hat als ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Mummert Consulting
vielfältige Erfahrungen mit der Umsetzbarkeit von
Forschungsergebnissen in der Managementpraxis gesammelt und hat es
sich zur Aufgabe gemacht, Brückenschläge zwischen Wissenschaft und
Wirtschaft zu initiieren. Wenn Sie an diesem Netzwerk partizipieren
wollen, freut sich das IMWF über Ihre Nachricht. Von
wissenschaftlichen Partnern wird erwartet, nachweislich
praxisorientierte Forschung leisten zu wollen. Im Gegenzug hierzu
obliegt es den eingebundenen Unternehmen, relevante Fragestellungen
zu formulieren und die Freiräume für die Aufarbeitung dieser Themen
zu gewährleisten.

Weitere Informationen finden Sie unter www.imwf.de

Originaltext: IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung GmbH
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/65649
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_65649.rss2

Pressekontakt:
Faktenkontor GmbH
Roland Heintze
Tel.: +49 40 22703-7160
Fax.: +49 40 22703-7961
E-Mail: roland.heintze@faktenkontor.de

 
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