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LVZ: Leipziger Volkszeitung zur Bankenkrise

Geschrieben am 17.03.2008 - [Nächster Artikel]

Leipzig (ots) - Wo geht denn nun die Reise hin an den Börsen?
Weiter abwärts oder vielleicht doch bald wieder bergauf? Wer's
wüsste, der könnte Millionen verdienen. Weil er den richtigen
Zeitpunkt zum Einstieg in den Aktienmarkt kennt. Aber es weiß eben
niemand. Auch kein Finanz-Guru. Denn immer ist noch völlig unklar,
welche Risiken in den Büchern der Banken schlummern. Erst, wenn sie
alles schonungslos offengelegt haben, wird das Vertrauen der Anleger
und vor allem der Kreditinstitute untereinander zurückkehren. Was
aber noch lange dauern kann, wie allein in Deutschland die Beispiele
BayernLB, IKB oder LBBW zeigen. Deshalb gleicht zurzeit jede Prognose
buchstäblich einem Spruch des Orakels von Delphi.
Nun ist die Fast-Pleite der US-Investmentbank Bear Stearns in der Tat
ein Fall, der alle Alarmglocken zum Läuten bringt. Vergleiche zum
Schwarzen Freitag von 1929 zu ziehen, der eine Weltwirtschaftskrise
auslöste, wäre aber ebenso fatal wie falsch. Notenbanken und führende
Indus-trienationen agieren heute abgestimmt. Dies wird die Krise über
kurz oder lang eindämmen. So viel Optimismus darf sein.
Trotzdem: Die Federal Reserve (Fed) musste am Wochenende erneut
Feuerwehr spielen. Erstmals seit der Weltwirtschaftskrise stützte sie
wieder ein angeschlagenes Brokerhaus. Das ist ein Meilenstein in der
Nachkriegsgeschichte und demonstriert den Ernst der Lage, zumal der
Staat jetzt direkt in den Markt eingegriffen hat. Was auch nicht das
letzte Mal gewesen sein dürfte. Immerhin trudeln noch Schwergewichte
vom Format einer Citigroup oder Merrill Lynch, von den kleineren
US-Banken ganz zu schweigen. Entscheidend dabei ist, wie sich
weltweit die Hypothekenkrise und die Interventionen der Notenbanken
auf das Wirtschaftswachstum weiter auswirken werden. Bislang haben
die Rettungsaktionen zwar kurzfristig stabilisiert, per se betrachtet
verschlechtern sich seit dem Spätsommer aber die Aussichten unisono.
Auch in Deutschland, wo ein Forschungsinstitut nach dem anderen seine
Prognose senkt.
Dass Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) dennoch die Entwicklung
der deutschen Volkswirtschaft optimistisch beurteilt, ist nicht
unbegründet. Die Geschäfte laufen. Beim Mittelstand und den
Parade-Industrien Maschinenbau, Auto und Chemie sieht es glänzend
aus, unabhängig vom harten Euro und vom hohen Ölpreis. Das ist Anlass
für Zuversicht, zumal das Gros der deutschen Ausfuhren ins Euro-Land
gehen. Ja selbst der Finanzwirtschaft geht es gut. Eine Krise sieht
anders aus. Richtig verzockt haben sich im Wesentlichen nur die
Staatsbanken.
Sollte die Fed aber keine Beruhigung in den Markt bekommen, droht ein
Domino-Effekt. Die internationale Arbeitsteilung ist so weit
fortgeschritten, dass sich keine Volkswirtschaft der anderen
entziehen kann. Anders formuliert: Gehen die Amis in die Knie, folgt
Asien und natürlich auch Europa. Das wäre der große Rums.

Originaltext: Leipziger Volkszeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/6351
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_6351.rss2

Pressekontakt:
Leipziger Volkszeitung
Redaktion

Telefon: 0341/218 11558
 
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