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Unternehmen unterschätzen REACH

Geschrieben am 11.03.2008 - [Nächster Artikel]

Frankfurt am Main (ots) -

EU-Chemikalienverordnung ist vielen Unternehmen noch immer
unbekannt / PwC-Umfrage: Jeder vierte Hersteller hält sich nicht
für betroffen / Handel und Konsumgüterindustrie sowie
Automobilbranche am wenigsten vorbereitet

Am 1. Juni 2008 startet die sechsmonatige Frist zur
Vorregistrierung von etwa 30.000 chemischen Substanzen und deren
Anwendungen nach der EU-Chemikalienverordnung REACH (Registration,
Evaluation and Authorisation of Chemicals). Vielen Unternehmen sind
die Auswirkungen der Verordnung aber noch immer nicht klar. So wissen
weltweit zwei von fünf leitenden Führungskräften nur in groben Zügen,
welche Anforderungen auf sie im Detail zukommen. Jeder vierte
Entscheidungsträger ist sogar der Überzeugung, dass die Verordnung
für sein Unternehmen gar keine Konsequenzen hat, wie aus der Umfrage
"Waking up to REACH" der Wirtschaftsprüfungs- und
Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor geht. An
der Umfrage beteiligten sich weltweit 241 leitende Führungskräfte aus
29 Ländern und sechs Branchen.

Zum ersten Mal beschränkt sich eine Chemikalienverordnung nicht
auf die Industrie, die chemische Produkte herstellt und in den
Verkehr bringt, sondern gilt für alle Unternehmen, die chemische
Substanzen oder Zubereitungen verwenden. Im Branchenvergleich sind
die Chemie- und Pharmaindustrie am besten auf die Richtlinie
vorbereitet, während ebenfalls betroffene Branchen wie das
Produzierende Gewerbe, die Holz-, Papier- und Verpackungsindustrie,
der Handel und die Konsumgüterindustrie sowie die Automobilbranche
zum Teil großen Nachholbedarf haben.

"Viele Hersteller und Importeure wiegen sich in trügerischer
Sicherheit. Dabei ist nur noch bis zum 1. Dezember Zeit, die bislang
in Verkehr gebrachten Chemikalien im Produktportfolio systematisch zu
erfassen und eine Vorregistrierung zu beantragen. Unternehmen, die
diese Frist versäumen, dürfen Produkte, die nicht vorregistrierte
Stoffe enthalten, ab dem Stichtag bis zu einer endgültigen
Entscheidung über die Zulassung nicht mehr in der EU in den Verkehr
bringen", warnt Volker Fitzner, Partner und Leiter des Bereichs
Chemie bei Advisory.

Die EU-Chemikalienverordnung soll sicherstellen, dass die Wirkung
aller neuen und sämtlicher bereits in der EU verwendeten chemischen
Stoffe und Verbindungen auf die menschliche Gesundheit und Umwelt
gestestet wird. Für die Industrie bedeutet dies, dass sie bis 2018
rund 30.000 auf dem Markt existierende chemische Substanzen bei der
Europäischen Agentur für chemische Stoffe (ECHA) in Helsinki
registrieren lassen muss.

Viele US-Unternehmen haben Relevanz von REACH noch nicht erkannt

Europäische Unternehmen sind relativ gut über REACH informiert,
während die Befragten in Nordamerika über deutlich schlechtere
Kenntnisse verfügen. In Europa geben 68 Prozent aller befragten
Unternehmen an, dass sie sich mit der Richtlinie und deren
Konsequenzen beschäftigt haben (32 Prozent davon sogar intensiv). Das
trifft auch auf 65 Prozent der Unternehmen in Asien zu, aber nur auf
45 Prozent der Befragten in Nordamerika. Wenig oder überhaupt nicht
mit REACH befasst haben sich demgegenüber nur 31 Prozent der
europäischen sowie 36 Prozent der asiatischen Unternehmen, während
der Anteil der gering oder gar nicht informierten Führungskräfte in
Nordamerika mit 55 Prozent überdurchschnittlich hoch ist.

Chemiebranche am besten vorbereitet, Autoindustrie ist
Schlusslicht

Chemie- und Pharmaproduzenten sind nach eigener Einschätzung am
besten auf die Umsetzung der Richtlinie vorbereitet. Auf einer
Bewertungsskala von 1 bis 100 erreicht die Chemieindustrie einen Wert
von gut 69, die Pharmahersteller kommen auf knapp 62 Punkte.
Demgegenüber liegen Handel und Konsumgüterindustrie bei knapp 45
Punkten, die Automobilindustrie erreicht lediglich knapp 40 Punkte.
Noch geringere Werte ergeben sich bei der Zusammenarbeit mit den
Zulieferern. Hier erreicht die Automobilindustrie nur knapp 29
Punkte, die befragten Chemieunternehmen erreichen immerhin 56 von 100
möglichen Punkten.

Produktions- und Lieferketten auf dem Prüfstand

"Viele Unternehmen scheuen die mit der Umsetzung der Verordnung
verbundenen Kosten und spielen auf Zeit. Langfristig ist diese
Strategie äußerst riskant. Ein Zulassungsverbot für eine vorher
nicht-registrierte Chemikalie bringt nämlich nicht nur die
Produktions- und Lieferkette durcheinander, sondern verunsichert auch
die Verbraucher. Unternehmen, die REACH nicht ernst nehmen, können
früher oder später einen erheblichen Imageverlust erleiden", warnt
Bernd Schneider, REACH-Experte im Bereich Chemie bei PwC.

Insgesamt hat bislang lediglich jedes zehnte befragte Unternehmen
eine detaillierte Risikoanalyse im Zusammenhang mit REACH erstellt,
30 Prozent haben sich immerhin bereits mit möglichen Risiken
beschäftigt. Demgegenüber wissen 57 Prozent der Befragten kaum oder
überhaupt nicht, welche Konsequenzen die Umsetzung der Richtlinie für
ihr Unternehmen unter Risikogesichtspunkten haben kann.

Die Unternehmen müssen bei der Umsetzung von REACH ihre gesamte
Wertschöpfungskette berücksichtigen: Zwei Drittel der Befragten
wollen die Einhaltung der Registrierungsfristen bei den Zulieferern
sicherstellen. Nahezu die Hälfte (46 Prozent) der Unternehmen bieten
den in der Lieferkette vorgelagerten Herstellern auch Unterstützung
bei der Umsetzung der Chemikalienverordnung an. Rund ein Viertel (26
Prozent) der Befragten rechnet mit Änderungen im Produktportfolio,
gut jedes fünfte (22 Prozent) Unternehmen erwartet, dass Erzeugnisse
auf Grund von REACH vom Markt genommen werden müssen.

Die Umfrage "Waking up to REACH" können Sie hier kostenlos
herunterladen: www.pwc.de/de/reach

Redaktionshinweis:

Die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist
in Deutschland mit 8.390 Mitarbeitern und einem Umsatzvolumen von
rund 1,35 Milliarden Euro eine der führenden Wirtschaftsprüfungs- und
Beratungsgesellschaften. An 28 Standorten arbeiten Experten für
nationale und internationale Mandanten jeder Größe. PwC bietet
Dienstleistungen an in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und
prüfungsnahe Dienstleistungen (Assurance), Steuerberatung (Tax) sowie
in den Bereichen Transaktions-, Prozess- und Krisenberatung
(Advisory).

Originaltext: PwC PriceWaterhouseCoopers
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/8664
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_8664.rss2

Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Sandra Otte
PricewaterhouseCoopers AG WPG
Corporate Communications / Presse
Tel.: (069) 95 85 - 15 64
E-Mail: sandra.otte@de.pwc.com
 
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