Der Bahnstreik am Montag ist kaum noch abzuwenden. Denn Lokführer und Unternehmen haben sich in eine nahezu aussichtslose Lage hineinmanövriert. Nur wenn eine der beiden Seiten kapituliert, lässt sich der Konflikt lösen. Da der Verlierer dies kaum unbeschadet überstehen wird, droht ein langer Arbeitskampf. Streiken werden auch das Kita-Personal, der Nahverkehr und die Müllabfuhr. Denn auch im öffentlichen Dienst haben die Tarifparteien keine Einigung zustande gebracht. Deutschland wird also in diesem Frühjahr zu Streikland. Beide Tarifkonflikte spitzen sich aber nur auf den ersten Blick ähnlich zu. Im öffentlichen Dienst halten sich beide Seiten nur an ein lange verabredetes Szenario. Da legen die Verhandlungsführer das weitere Verfahren gemeinsam fest und sorgen so für eine kontrollierte Eskalation, die jederzeit wieder zurückgenommen kann. Beide Seiten wissen, was die andere will oder nicht kann. Dann wird gerangelt, aber nicht getreten. Bei der Bahn ist das ganz anders. Lokführer und Bahn AG haben sich in eine Sackgasse hineinmanövriert. Gegen die Tarifprofis des öffentlichen Dienstes wirken die Bahner wie Amateure. Den Bürgern hilft der Blick auf strategische Fehler und künftige Entwicklungen natürlich wenig. Sie müssen sich erst im Verkehr, dann im öffentlichen Dienst auf massive Behinderungen einstellen. Solidarität schafft man so ganz sicher nicht.