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Börsen-Zeitung: Unter die Räder gekommen, Börsenkommentar von Dieter Kuckelkorn

Geschrieben am 29.02.2008 - [Nächster Artikel]

Frankfurt (ots) - Buck Under the Truck - so lautet die Überschrift
einer Studie der Analysten von Morgan Stanley zum jüngsten Niedergang
des Dollar. Treffender kann man die Situation am Devisenmarkt aktuell
wohl kaum umschreiben. Mehrere Monate lang scheiterten alle Versuche
von Marktteilnehmern, den Euro über die Marke von 1,50 Dollar zu
hieven. Auf einmal ging aber alles ganz schnell. Nachdem der Euro den
Widerstand bei 1,50 Dollar Mitte der Woche überwunden hatte, gab es
eine Reihe von Allzeithochs in rascher Folge. Auf in der Spitze
1,5238 Dollar ist der Euro am Freitag gestiegen.

Im Grunde kann man Ben Bernanke für den Schwächeanfall des
Greenback verantwortlich machen. Der Chairman der US-Notenbank
Federal Reserve hatte den Ernst der Lage hinsichtlich der
konjunkturellen Entwicklung in den USA sowie des Ausmaßes der
Kreditkrise lange Zeit heruntergespielt, weshalb ihm viele Kritiker
vorwarfen, er und sein Haus befänden sich "behind the curve", seien
also von der Realität und dem Ernst der Lage überholt worden. Bei
seinem Auftritt vor dem US-Kongress hat er sich jetzt bemüht, ein
realistischeres Bild der Lage zu zeichnen. Nun ist davon die Rede,
dass die Lage schwieriger sei als 2001, dem Jahr, in dem die USA
zuletzt in eine Rezession rutschten. Bernanke sagt zudem eine Reihe
von Pleiten bei US-Kreditinstituten voraus.

Und irgendwie drängt sich der Verdacht auf, dass die Fed die
klassische Position, dass der US-Regierung grundsätzlich an einem
starken Dollar gelegen ist, still und leise aufgegeben hat. Bernanke
merkte jedenfalls an, dass der schwache Dollar dabei behilflich sei,
das nach wie vor unerfreulich hohe Handelsbilanzdefizit der USA zu
verkleinern.

Die Aussagen haben an den Märkten Wirkung erzielt. Gemessen an den
Fed Funds Futures, die an der US-Terminbörse Chicago Board of Trade
gehandelt werden, ist nun ein weiterer großer Zinsschritt der Fed von
50 Basispunkten (BP) anlässlich der nächsten Zinssitzung am 18. März
vollständig eingepreist. Einer Senkung um 75 BP, wie sie bereits im
Januar stattgefunden hat, wird inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von
rund einem Drittel zugeordnet. Dabei hat die Fed den Leitzins seit
September um nicht weniger als 225 BP auf gerade noch 3%
heruntergeschraubt. Dies alles sieht danach aus, als dass sich die
USA in einer prekären Lage befinden, zumal der Spielraum der Fed nach
unten begrenzt ist. Denn seit November hält sich die amerikanische
Inflationsrate hartnäckig bei 4%. Es sieht nach einer Stagflation
aus, auch wenn Bernanke dies vor dem Kongress dieser Tage noch
abgestritten hat.

Die Reaktionen der Analysten lassen - vor allem außerhalb der USA
- an Deutlichkeit kaum zu wünschen übrig. So heißt es beispielsweise
bei der Bremer Landesbank, es gelte zu konstatieren, dass man sich in
der größten globalen Finanzkrise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs
befinde. Das aktuelle Zurückrudern Bernankes könne die Zuversicht in
die Prognosequalität und damit auch die Glaubwürdigkeit der Fed nicht
nachhaltig unterfüttern.

Für das Währungspaar Euro/Dollar bedeutet dies, dass sich die
Verluste des Greenback zunächst noch fortsetzen dürften. Viele
Analysten gehen von 1,59 bis 1,60 Dollar je Euro binnen zwei bis drei
Monaten aus. Enttäuschende Konjunkturdaten - so etwa ein in der neuen
Börsenwoche deutlich unter die kritische Marke von 50 sinkender
US-Einkaufsmanagerindex oder eine kräftig rückläufige Beschäftigung -
könnten den Niedergang des Greenback kurzfristig beschleunigen.

Auf mittlere Sicht lautet der Konsens der Analysten aber, dass die
Eurozone nicht ungeschoren davon kommt, wenn in den USA die Rezession
ausbricht. Dann aber wird auch die Europäische Zentralbank die Zinsen
senken müssen, was eine Trendwende im Verhältnis von Euro und Dollar
auslösen sollte.

Auf ganz lange Sicht gibt es eine große Unbekannte, die die
Gemeinschaftswährung deutlich voran bringen könnte. Mittlerweile
sagen zahlreiche Experten voraus, dass der Euro den Dollar als
wichtigste Reservewährung ablösen wird. Die aktuelle Finanzkrise, die
das Vertrauen in den Greenback unterminiert, könnte diesen Trend
deutlich beschleunigen.

(Börsen-Zeitung, 1.3.2008)

Originaltext: Börsen-Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/30377
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