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Marktregulierung setzt Energiebranche unter Spannung

Geschrieben am 20.02.2008 - [Nächster Artikel]

Hamburg (ots) - Die vergangenen Jahre brachten den deutschen
Energieversorgern vor allem eins: eine öffentliche Diskussion über
Rekordgewinne. Doch die zunehmende staatliche Regulierung vermiest
der Branche die Stimmung. Nach dem Erfolgsjahr 2007 blicken die
deutschen Energieversorger nur noch verhalten in die Zukunft. Jedes
zweite Unternehmen rechnet in den kommenden drei Jahren mit einer
Geschäftsentwicklung, die hinter dem allgemeinen Wirtschaftswachstum
zurückbleibt. Vor allem drei Faktoren werden die Branche in den
kommenden Jahren belasten: der Effizienzzwang in einem stärker
regulierten Energiemarkt, der steigende Wettbewerb sowie das Thema
Klimawandel. Dies ergab die Studie "Branchenkompass Energieversorger
2008" von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem
F.A.Z.-Institut.

Die Rahmenbedingungen auf dem deutschen Energiemarkt werden sich
spürbar verändern. In einer Befragung unter den deutschen
Energieversorgern nennen 41 Prozent der Energiemanager spontan die
Anreizregulierungsverordnung (ARegV) als größte Herausforderung für
den Geschäftsbetrieb. Im Rahmen des staatlich verordneten Sparkurses
muss sich jeder Netzbetreiber ab Januar 2009 an dem effizientesten
Versorger der Branche ausrichten. Neun von zehn Topentscheidern sind
davon überzeugt, dass dadurch vor allem die kleinen und mittleren
Strom- und Gasnetzbetreiber in ihrer Existenz bedroht sind. Nach
Ansicht der Befragten werden diese die strengen
Effizienzanforderungen nur schwer erfüllen können. Die deutschen
Energieversorger müssen auf diese Herausforderung reagieren. Bis 2010
will daher knapp die Hälfte der Versorger verstärkt in das
Geschäftsprozessmanagement investieren . Dabei stehen vor allem ein
schärferes Controlling und Maßnahmen zur Kostenminimierung im
Vordergrund. Zudem gelten weitere staatliche Regulierungsvorhaben
unter den befragten Energieversorgern als wahrscheinlich: 86 Prozent
erwarten für die Zukunft weitere Verschärfungen der Marktregulierung.

Neben der Regulierung schmälert der schärfere Wettbewerb um den
Endkunden die Wachstumsaussichten der Energieversorger. 84 Prozent
der Fach- und Führungskräfte sind davon überzeugt, dass
Privathaushalte bei Unzufriedenheit künftig schneller ihren
Stromversorger wechseln als bisher. Bei der Befragung im Jahr 2005
hatten diese Einschätzung nur 38 Prozent der Energieentscheider
geteilt. Anzeichen für die größere Wechselbereitschaft sind bereits
erkennbar. Im vergangenen Jahr kehrten doppelt so viele Stromkunden
ihrem Anbieter den Rücken wie 2006.

Angesichts dieser Entwicklung rückt der Kunde verstärkt in den
Fokus der Energiewirtschaft. Insbesondere das Management der
Kundenbeziehungen für Privat- und Gewerbekunden wird zunehmend
wichtiger. Die Energieversorger sind sich weitgehend einig:
Einerseits müssen bestehende Kundenbeziehungen gefestigt und
weiterentwickelt werden. Andererseits wird die Neukundengewinnung
außerhalb des angestammten Versorgungsgebietes zunehmend wichtiger.
Die Suche nach neuen Abnehmern schlägt sich auch in den
Investitionsplanungen der Unternehmen nieder: So stehen bei zwei
Drittel der Versorger nennenswerte Investitionen in Marketing und
Vertrieb auf der Agenda. Vor allem Stadtwerke und Regionalversorger
setzen auf verstärkten Kundenservice und verbesserte
Beratungsqualität. Kunden persönlich ansprechen und bedarfsgerecht
bedienen gilt unter den kleinen Versorgern als wichtiger
Wettbewerbsvorteil gegenüber den großen Anbietern.

Über die bekannte Angebotspalette hinaus sind viele Unternehmen
auf der Suche nach neuen Erlösquellen. Geplant sind vor allem
zusätzliche Beratungsdienstleistungen. Dank intelligenter Stromzähler
wird es beispielsweise bald technisch möglich sein, Kunden
individuell und bedarfsgerecht zu beraten. Daneben sehen ein Viertel
der befragten Energieversorger im Contracting eine Quelle mit
wachsendem Ertragspotenzial. Bei diesem Geschäftsmodell werden
beispielsweise Gewerbekunden bei der Sanierung und Optimierung ihrer
Energieanlagen unterstützt. Die dadurch erzielten Einsparerfolge
teilen sich dann Contractor und Kunde nach einem zuvor vereinbarten
Schlüssel. Zudem sind Aktivitäten im Bereich technischer
Dienstleistungen und Angebote im Facility Management geplant. Diese
erweiterte Angebotspalette sehen zwei Drittel der Energiemanager als
notwendigen Beitrag für die Zukunftssicherung des eigenen
Unternehmens an.

Neue Geschäftsfelder, wie etwa Energieerzeugung und Energiehandel,
sollen vor allem gemeinsam mit Partnern erschlossen werden. Beinahe
80 Prozent der Energieversorger wollen ihre Wettbewerbsposition mit
Hilfe strategischer Kooperationen stärken. Noch vor wenigen Jahren
waren Kooperationen nur eine Randerscheinung. Heute stehen sie
verstärkt im Fokus der Branche. Neben dem gemeinsamen Aufbau neuer
Erlösquellen schließen sich kleinere Versorger beispielsweise in
Einkaufsgemeinschaften zusammen. Durch die gebündelte Nachfrage
können günstigere Einkaufspreise erzielt werden. Auch die
Zusammenarbeit mit branchenfremden Unternehmen - vor allem im
Vertrieb - soll nach Ansicht der Versorger weitere
Wettbewerbsvorteile bringen. Darüber hinaus ist ein weiterer
Konzentrationsprozess in der Energiebranche wahrscheinlich: Rund
jeder vierte Topentscheider aus dem Energiesektor plant Fusionen
oder Unternehmenskäufe.

Weitere Wachstumsimpulse werden auch durch die steigende Bedeutung
der regenerativen Energieträger erwartet. Die Energieversorger
rechnen mehrheitlich damit , dass sich der Anteil von Ökostrom an der
gesamten Stromerzeugung bis 2020 auf ein Drittel verdreifachen wird.
Entsprechend erwartet knapp die Hälfte der befragten Topmanager in
den kommenden drei Jahren einen nennenswerten Wertschöpfungsbeitrag
aus alternativen Energieträgern. Um diese Ertragsquelle zu
erschließen, sind zusätzliche Investitionen in diesem Bereich
geplant. Jeder zweite Energieversorger will verstärkt in das Geschäft
mit erneuerbaren Energien einsteigen. Die größte Bedeutung hat dabei
die Solartechnik. Fast zwei Drittel der befragten Manager planen
Investitionen in Solaranlagen. Ähnliches gilt für Biomasse.

Hintergrundinformationen

Für den "Branchenkompass Energieversorger 2008" wurden 100
Führungskräfte aus 100 der größten Energieversorgungsunternehmen
Deutschlands zu den Branchentrends, Investitionszielen und
Unternehmensstrategien befragt. Die befragten Unternehmen
repräsentieren die drei wichtigsten Gruppen der deutschen
Energiewirtschaft: die Stadtwerke, die Regionalversorger und die vier
großen Energiekonzerne. Die Marktforschungsgesellschaft forsa führte
die Erhebung in Telefoninterviews durch. Befragt wurden jeweils die
Vorstandsvorsitzenden, Vorstandsmitglieder, die Geschäftsführer, die
Leiter von Finanzen und Controlling, die Vertriebs- und
Marketingleiter sowie sonstige Führungskräfte.

Originaltext: Steria Mummert Consulting
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/50272
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_50272.rss2

Pressekontakt:
Roland Heintze
Faktenkontor GmbH
Telefon: (040) 227 03-7160
Fax: (040) 227 03-7961
Roland.Heintze@faktenkontor.de
 
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