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LVZ: Die Leipziger Volkszeitung zu Zumwinkel -
Geschrieben am 14.02.2008 - [Nächster Artikel] |
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Leipzig (ots) - Von André Böhmer. Es war wieder ein schwarzer Tag für die soziale Balance im Wirtschaftsstandort Deutschland. "Tatort"-reife Bilder von der Razzia bei einem der mächtigsten Manager bilden die denkbar schlechteste Kulisse für ein Land, in dem die Empörung über Verfehlungen von Konzernlenkern immer größer wird. Millionen-Abzocke bei Mannesmann, Rotlicht-Affäre bei VW, Schmiergeld-Skandal bei Siemens, Milliardenversagen der Banken und jetzt der Steuer-Fall Zumwinkel: Der Ruf der Führungselite ist ramponiert, weil einige wenige Vertreter auf den Chefsesseln ihre Machtfülle missbrauchen und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht werden. Damit wird das Bild einer ganzen Gruppe ruiniert, obwohl viele Spitzenmanager - wie etwa Porsche-Chef Wiedeking - ihre Millionen durchaus zu Recht verdienen und der deutschen Wirtschaft seit gut einem Jahr zu einem neuen Aufschwung verhelfen. Umso schwerer wiegen jetzt die Vorwürfe gegen den Post-Chef, der wie kein anderer die Verflechtung zwischen Staat und Wirtschaft in seiner Person bündelt. Nein, ein Kavaliersdelikt ist es wahrlich nicht, was dem Multi-Millionär da vorgeworfen wird. Noch gilt für ihn allerdings die Unschuldsvermutung, solange die Steuerhinterziehung nicht bewiesen ist - oder der Top-Manager sie auf Grund des Fahndungsdrucks selbst einräumt. Dass die Staatsanwaltschaft eine öffentlichkeitswirksame Razzia bei einem Prominenten dieses Kalibers nur mit halbgaren Ermittlungsergebnissen im Rücken startet, ist jedoch kaum anzunehmen. Schließlich steht auch für die Fahnder die Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Vielmehr scheint die Beweislast so erdrückend zu sein, dass die Ermittler nicht mehr länger warten konnten. Die von Zumwinkel nach der Vernehmung gezahlte Sicherheitsleistung wirkt da wie eine Bestätigung. Für das Heer der normalen Steuerzahler übermittelt die Razzia bei Zumwinkel allerdings auch eine erfreuliche Botschaft. Jeder, der sich bereits über pingelige Forderungen seines zuständigen Finanzamtes geärgert und dann zähneknirschend nachgezahlt hat, dürfte die Nachrichten aus Köln und Bochum mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen. Auch ein prominenter Name schützt also nicht immer vor Ermittlungen. Für das Gerechtigkeitsempfinden im Land und inmitten der Debatte über die soziale Verantwortung von Wirtschaftslenkern kann zumindest dieses Signal positiv gedeutet werden. Für seine Manager-Kollegen in den Chefetagen deutscher Spitzenkonzerne bedeutet der Fall Zumwinkel dagegen eine schwere Hypothek. Die weit verbreitete Skepsis gegenüber ihren Millionen-Gehältern wird wachsen. Eine der bemerkenswertesten Folgen der Razzia war auf dem Frankfurter Börsenparkett zu beobachten. Eigentlich ziehen Meldungen über Razzien gegen führende Manager die betroffenen Firmen mit in den Abgrund. Die Post-Aktie reagierte genau entgegengesetzt, sie zog kräftig an. Das lässt nur einen Schluss zu:Zumwinkel gilt außerhalb des Konzerns als Bremser und als Mann von gestern. Mit seinem - von den Börsianern erwarteten - schnellen Abgang, sind also auch viele Hoffnungen verbunden. Diese ungeschminkte Sicht auf die Zukunft ist dann im Fall Zumwinkel schon wieder tröstlich.
Originaltext: Leipziger Volkszeitung Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/6351 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_6351.rss2
Pressekontakt: Leipziger Volkszeitung Redaktion Telefon: 0341/218 11558
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