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Südwest Presse: Kommentar zur Börse

Geschrieben am 22.01.2008 - [Nächster Artikel]

Ulm (ots) - Es trägt schon panikartige Züge, was an den Weltbörsen
derzeit geschieht. Wenn Gradmesser wie der Deutsche Aktien-Index
(Dax) oder der Dow Jones-Index, der die wichtigsten US-Aktien
gewichtet, innerhalb weniger Tage um ein Fünftel nachgeben, dann
signalisiert dies vor allem, dass sich viele Anleger Hals über Kopf
aus Aktien verabschieden wollen - koste es, was es wolle - und es
kostet die Börsianer derzeit enorm viel Geld. Ob solche Panikattacken
gerechtfertigt sind oder nicht, wird erst die Zeit zeigen. Hinterher
ist man immer schlauer, hat jeder ohnehin gewusst, was schließlich
eingetreten ist. Doch mitten im Auge des Hurrican haben die meisten
nur Schweißperlen auf der Stirn und Gedanken im Kopf, wieso es nur so
weit kommen konnte.
Die Gründe für das Desaster an den Kapitalmärkten sind hinlänglich
bekannt. Alles geht von den USA aus, wo viele Verbraucher weit über
ihre Verhältnisse gelebt haben, weil ihnen Kredite aufgedrängt wurden
von Bankiers, die nur die Dollarzeichen in den Augen hatten, aber
nicht sehen wollten, welche Risiken sich dahinter verbergen. Denn
dass alles immer nur bergauf geht, dass Kurse nur steigen, Preise nur
klettern und Einkommen nur zunehmen können, das ist eine Mär, die
schon durch viele Börsenrückschläge zerstört wurde, aber immer wieder
auflebt. Die Menschen wollen einfach daran glauben und deswegen
ignorieren sie sämtliche Gefahren.
Deshalb sagt diese Affäre, die ja trotz vielfacher Beteuerungen auch
auf deutsche Institute übergegriffen hat, viel über die Geldgier
mancher Bankmanager, viel über ihre Ignoranz und noch mehr über ihr
Versagen. Es wird insbesondere dann überdeutlich sichtbar, wenn, wie
bei zumindest zwei Landesbanken der Steuerzahler als Retter
einspringen muss, oder Vorstände am einen Tag Versäumnisse leugnen,
um am anderen Millionenverluste zu offenbaren. Entweder sagt da
jemand bewusst nicht die Wahrheit - oder er verkennt die Lage seines
Hauses in dramatischer Weise. Beides ist gleich schlimm.
Mit Beruhigungspillen wie der massivsten Zinssenkung jüngerer Zeit
und einem 145 Milliarden Dollar schweren Konjunktur-Notprogramm
versuchen die US-Notenbank und die Bush-Regierung die Krise in den
Griff zu bekommen. Das kann freilich so lange nicht gelingen, bevor
nicht die ganze Wahrheit, das wirkliche Ausmaß der globalen
Geldvernichtung bekannt ist. Denn die Börsianer haben das Vertrauen
in die maßgeblichen Akteure verloren. Deren Beruhigungspillen will
niemand mehr schlucken, solange nicht klar ist, ob darin nicht doch
noch Spuren eines Giftes vorhanden sind. Erst im Frühjahr, wenn alle
Bilanzen auf dem Tisch liegen, wird man mehr wissen über die künftige
Richtung der Kurse.
Bis dahin wird es an den Börsen auf- und abwärts gehen wie auf einer
Achterbahn. Privatanleger sollten sich tunlichst aus diesem Spiel
heraushalten und alte Börsianerweisheiten beherzigen - etwa
diejenigen, dass man nie in ein "fallendes Messer" (sprich sinkende
Kurse) greift und den günstigsten Zeitpunkt zum Ein- oder Ausstieg
ohnehin nie trifft.

Unbeschadet aber wird niemand aus der Krise kommen. Denn sie hat
Auswirkungen auf die Konjunktur und wird das Wirtschaftswachstum
weltweit schwächen. Zumindest für die exportorientierten deutschen
Unternehmen gilt aber: Die Auftragsbücher sind so prall gefüllt, dass
Rezessionsängste wie in den USA hierzulande noch unbegründet sind.

Originaltext: Südwest Presse
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/59110
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_59110.rss2

Pressekontakt:
Südwest Presse
Lothar Tolks
Telefon: 0731/156218
 
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