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Börsen-Zeitung: Märkte in Panikstimmung, Kommentar zum Kurssturz an den Aktienmärkten von Christopher Kalbhenn

Geschrieben am 21.01.2008 - [Nächster Artikel]

Frankfurt (ots) - An den Aktienmärkten macht sich Panikstimmung
breit. Das zeigen Börsen wie die in Bombay, wo der Hauptindex zum
Wochenauftakt bis zu mehr als 10% einbüßte und deswegen der Handel
vorübergehend ausgesetzt wurde. Aber auch am inländischen Aktienmarkt
war ein wahrer Ausverkauf zu beobachten, als der Dax in der Spitze um
7,5% absackte. Das deutsche Blue-Chip-Barometer, das damit den
tiefsten Stand seit März 2007 erreichte, hat seit Jahresbeginn in der
Spitze rund 16% bzw. rund 1300 Zähler eingebüßt.

Eine Chance haben die Aktienmärkte derzeit nicht. Das von der
US-Regierung am Freitag verkündete Programm zur Stützung der
Konjunktur ist wirkungslos verpufft, wenn es nicht sogar die
Verunsicherung der Marktakteure verstärkt hat. Zu schwer wiegt die
Flut der immer schlimmer werdenden Nachrichten. Als Folge der
Immobilien- und Kreditkrise in Amerika schockt die Bankenbranche die
Anleger beinahe im Tagesrhythmus mit neuen Abschreibungen in
teilweise riesigem Ausmaß. Erschwerend kommt noch hinzu, dass nun
auch Institute ins Scheinwerferlicht geraten, von denen die
Marktteilnehmer bislang nicht ahnten, dass auch sie betroffen sein
könnten. Außerdem ist in den USA nun auch der Gewerbe-Immobilienmarkt
ins Straucheln geraten, was die Banken noch mehr in die Bredouille
bringt.

Gleichzeitig zeigen die US-Konjunkturdaten seit der Jahreswende
fast unisono abwärts, womit sich die Furcht vor einer Rezession
weiter verstärkt. So hat die Citigroup ihre Prognose für das Wachstum
der amerikanischen Wirtschaft in diesem Jahr kräftig reduziert. Das
US-Haus erwartet für die ersten drei Monate des laufenden Turnus ein
schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt und für das Gesamtjahr nur noch
ein Wachstum von 1% nach bisher 2,3%.

Gründlich zerschlagen haben sich außerdem mittlerweile die
Illusionen von einer auf die Vereinigten Staaten beschränkten und
auch eingrenzbaren Krise. Im Zeitalter der Globalisierung sind
Finanzkrisen - welche eine Überraschung! - nun einmal global. Dazu
genügt ein Blick auf Großbritannien. Auch dort fallen die
Immobilienpreise und geraten die Verbraucher, die zudem unter einer
höheren Zinsbelastung zu leiden haben, unter Druck. In der
Weihnachtssaison hat sich die Misere des britischen Einzelhandels zu
einem Desaster ausgeweitet, das an der Börse mit einem Kursmassaker
quittiert wurde. Und auch die Träume von der Immunität der boomenden
Schwellenländer gegenüber Krisen der Industrieländer sind geplatzt.
Wenn auch etwas verzögert, vollziehen ihre zuvor relativ stabilen
Aktienmärkte nun die Schwäche der Börsen in den Industrieländern
nach.

Letztlich müssen sich die Investoren darauf einstellen, dass die
Unternehmensergebnisse die zuversichtlichen Erwartungen nicht
erfüllen werden und daher die Gewinnprognosen deutlich
zurückgeschraubt werden müssen. Damit ist die Basis des im März 2003
begonnenen Bullenmarktes unmittelbar vor seinem fünften Jahrestag
bedroht. Denn der Kursaufschwung wurde neben der Liquiditätsflut
insbesondere von einem jahrelangen, kräftigen und stets die
Konsensprognosen übertreffenden Anstieg der Gewinne getragen und auch
gut abgestützt. Sollten die Ergebnisse erheblich hinter den
bisherigen Annahmen zurückbleiben oder sogar deutlich sinken, wäre
auch ein ausgeprägter Bärenmarkt denkbar.

Doch so weit ist es noch nicht. Nach dem gründlich verpatzten
Jahresauftakt baut sich vielmehr allmählich die Basis für eine
Bodenbildung und eine Gegenbewegung auf. So zeigten die Kurseinbußen
vom Wochenauftakt Ansätze einer Kapitulation der Anleger, eine
Entwicklung, an die sich häufig eine Wende nach oben anschließt.
Zudem könnten weitere Stützungsmaßnahmen der amerikanischen Regierung
und eine kräftige Absenkung des Fed-Leitzinses in Kombination mit
einem Abebben der Horrormitteilungen aus der Bankenbranche die
Gemütslage der Anleger wieder aufhellen und dadurch den Aktienmärkten
Auftrieb verleihen.

Auf der ermäßigten Basis sind außerdem die Bewertungen wieder
günstiger geworden. Niedrigere Unternehmensgewinne bzw. ein
Zurückschrauben der Erwartungen sind damit schon ein Stück weit
eingepreist. So weist der Dax auf Basis der Konsensschätzungen für
2009 nun ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 10 auf, während Bonds
bei Renditen, die sich bei zehnjährigen Bundesanleihen auf knapp 4%
beschränken, als Konkurrenzanlage alles andere als ein Schnäppchen
sind. Überdies sind die Aktienmärkte differenziert zu betrachten.
Einzelne Bereiche, darunter die Finanz-, Immobilien- und
Einzelhandelssektoren, sind teilweise geradezu ausgebombt. Dadurch
ergeben sich für mutige Schnäppchenjäger sehr günstige Gelegenheiten.
Das Timing für einen Einstieg in den Markt ist in der aktuell von
blanker Angst geprägten Lage allerdings schwierig.

Originaltext: Börsen-Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/30377
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
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