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LEBEN IN EUROPA 2006 EU-Indikatoren für Deutschland

Geschrieben am 21.01.2008 - [Nächster Artikel]

Wiesbaden (ots) - LEBEN IN EUROPA 2006 ist eine Erhebung, die
EU-weit vergleichbare Daten über Armut und soziale Ausgrenzung
ermittelt. Für LEBEN IN EUROPA 2006 wurden in Deutschland rund 13 800
private Haushalte sowie rund 26 000 Personen ab 16 Jahren in diesen
Haushalten befragt.
Erste Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen,
dass im Jahr 2005 knapp 13% der Bevölkerung in Deutschland
armutsgefährdet waren. Die Armutsgefährdungsquote - das ist nach
EU-Definition der Anteil der Personen, der mit weniger als 60% des
mittleren Einkommens der gesamten Bevölkerung auskommen muss - lag
2005 in den neuen Ländern und Berlin bei gut 15%, im früheren
Bundesgebiet bei knapp unter 12%.

Referenzjahr für die Ermittlung der Armutsgefährdungsquote ist bei
LEBEN IN EUROPA jeweils das dem Erhebungsjahr vorausgegangene Jahr
(hier: 2005). Zur Berechnung der Armutsgefährdungsquote wird nach dem
europäischen Standard zunächst das von allen Haushaltsmitgliedern
tatsächlich erzielte Haushaltseinkommen herangezogen (darin sind
Sozialtransfers enthalten). Dieses wird auf die Personen des
Haushalts nach einem Gewichtungsschlüssel verteilt
("bedarfsgewichtetes Äquivalenzeinkommen"), der die unterschiedliche
Zusammensetzung von Haushalten berücksichtigt und den Umstand, dass
Personen in einem Haushalt durch ihr Zusammenleben Einspareffekte bei
den laufenden Kosten erzielen. Zur Ermittlung des mittleren
Einkommens der Bevölkerung wird der Median (Zentralwert) des
Äquivalenzeinkommens verwendet (ausführliche Erläuterung im
Methodenanhang).

Das so errechnete mittlere verfügbare Jahreseinkommen der
Bevölkerung Deutschlands lag im Jahr 2005 bei 15 617 Euro pro Person.
Allein lebende Personen waren nach EU-Definition dann
armutsgefährdet, wenn sie weniger als 9 370 Euro (oder 781 Euro
monatlich) zum Leben hatten. Ein Haushalt mit zwei Erwachsenen und
zwei Kindern unter 14 Jahren war bei einem verfügbaren
Jahreseinkommen von weniger als 19 677 Euro (oder 1 640 Euro
monatlich) armutsgefährdet.

Das mittlere verfügbare Einkommen armutsgefährdeter Personen lag
20% unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle von 9 370 Euro. Diese
Differenz ist ein Maß für den Einkommensunterschied, der zur
Überwindung der Armutsgrenze fehlt und wird als relative Armutslücke
bezeichnet.
Hinsichtlich der Verteilung der Einkommen auf die Gesamtbevölkerung
hatten nach den Ergebnissen von LEBEN IN EUROPA 2006 die
einkommensstärksten 20% der Bevölkerung ein rund vier Mal (4,1) so
hohes Einkommen wie die einkommensschwächsten 20% der Bevölkerung.

Wie die Ergebnisse aus LEBEN IN EUROPA 2006 weiter zeigen, war die
ältere Generation (65-Jährige und Ältere) im früheren Bundesgebiet
überdurchschnittlich (14%) von Armut betroffen, in den neuen Ländern
und Berlin dagegen lag sie mit einer Armutsgefährdungsquote von 9%
deutlich unter dem Durchschnitt der Bevölkerung.

Erwerbstätigkeit mindert das Armutsrisiko. So waren bundesweit nur
5,5% der im Jahr 2005 überwiegend (mehr als sechs Monate)
Erwerbstätigen von Armut betroffen. Die Zahlung staatlicher
Transferleistungen reduziert die Armutsgefährdungsquote der
Bevölkerung deutlich: Bundesweit lag die Armutsquote vor
Sozialtransfers (außer Pensions- und Rentenzahlungen) bei 26% und
nach Sozialtransfers nur noch bei 13%. Die staatliche Hilfe greift in
ganz besonderem Maße bei jungen Menschen unter 18 Jahren
(Armutsgefährdungsquote vor Sozialtransfers: 34%; nach
Sozialtransfers: 12%).

Weitere Auskünfte gibt:
Zweigstelle Bonn,
Herbert Bolz,
Auskunftsdienst Wirtschaftsrechnungen und Zeitbudgets,
Telefon: (01888) 644-8880,
E-Mail: private-haushalte@destatis.de

Eine zusätzliche Tabelle enthält die Online-Fassung dieser
Pressemitteilung unter www.destatis.de.

Methodische Erläuterungen zur Ermittlung der Armutsgefährdung aus
LEBEN IN EUROPA

LEBEN IN EUROPA (englisch: Community Statistics on Income and
Living Conditions, EU-SILC) ist die EU-weit vergleichbare Datenquelle
über Einkommen, Armut und Lebensbedingungen in Europa. Für die
Statistik gelten in allen Mitgliedstaaten einheitliche Definitionen
sowie methodische Mindeststandards.

Ein Kernindikator, der aus LEBEN IN EUROPA ermittelt wird, ist die
Armutsgefährdungsquote. Sie gibt an, wie hoch der Anteil der
armutsgefährdeten Personen an der Gesamtbevölkerung ist. Zur
Berechnung der Armutsgefährdungsquote wird zunächst das von allen
Haushaltsmitgliedern tatsächlich erzielte Haushaltseinkommen des
Vorjahres herangezogen (bei LEBEN IN EUROPA 2006 bezieht sich das
Haushaltseinkommen auf das Jahr 2005). Es setzt sich zusammen aus dem
Einkommen aus selbstständiger und unselbstständiger Erwerbstätigkeit,
dem Einkommen aus Vermögen, Renten und Pensionen sowie empfangenen
laufenden Transfers - wie zum Beispiel Arbeitslosengeld, Sozialhilfe
oder Kindergeld. Direkte Steuern und Sozialbeiträge sind abgezogen.
Dieses Haushaltseinkommen wird auf die Personen des Haushalts nach
einem Gewichtungsschlüssel (Äquivalenzskala) verteilt, der
unterschiedliche Haushaltsstrukturen berücksichtigt sowie den
Umstand, dass Personen in einem Haushalt durch das Zusammenleben
Einspareffekte bei den laufenden Kosten erzielen.

Die Äquivalenzskala weist jeder Person im Haushalt ein Gewicht zu.
Die erste erwachsene Person bekommt stets das Gewicht 1. Jede weitere
Person erhält ein Gewicht, das die Größenordnung des Mehrbedarfs
berücksichtigen soll, der durch diese Person entsteht: Weitere
Erwachsene und Kinder ab 14 Jahren erhalten das Gewicht 0,5, Kinder
unter 14 Jahren das Gewicht 0,3. So ergibt sich bei einer Familie mit
zwei Kindern beispielsweise das Gesamtgewicht 2,1. Das verfügbare
Haushaltseinkommen wird nun durch die Summe der Gewichte dividiert.
Das so ermittelte Einkommen der Personen wird als "bedarfsgewichtetes
Äquivalenzeinkommen" bezeichnet und jeder Person im Haushalt als
persönliches Äquivalenzeinkommen zugeschrieben. Zu beachten ist, dass
es sich beim Äquivalenzeinkommen um eine fiktive Rechengröße handelt.

Um das mittlere Einkommen zu ermitteln, wird der Median
(Zentralwert) verwendet. Dabei werden die Personen ihrem
Äquivalenzeinkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der
Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei
Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat mehr, die andere
weniger Einkommen zur Verfügung. 60% dieses Medianwertes stellen die
Armutsgefährdungsgrenze dar.

Originaltext: Statistisches Bundesamt
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/32102
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_32102.rss2

Rückfragen an obigen Ansprechpartner oder an:
Statistisches Bundesamt
Telefon: (0611) 75-3444
E-Mail: presse@destatis.de
 
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