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"Hemingway fand Spencer Tracy zu dick" - Drehbuchautor Peter Viertel im Tele5-Interview

Geschrieben am 06.12.2007 - [Nächster Artikel]

München (ots) -

- Querverweis: Bild wird über obs versandt und ist unter
http://www.presseportal.de/galerie.htx?type=obs abrufbar -

Am 04. November 2007 starb Drehbuchautor Peter Viertel knapp drei
Wochen nach dem Tod seiner Ehefrau Deborah Kerr. In seinem letzten
Interview, das der Spielfilmsender Tele 5 mit ihm in einer
Privatklinik in Marbella führte, sprach der gebürtige Dresdner über
das oscargekrönte Meisterwerk 'Der alte Mann und das Meer' (am
Montag, 10. Dezember, 20.15 Uhr auf Tele 5), seinen Freund Ernest
Hemingway und Stars wie Spencer Tracy, Ava Gardner und Gary Cooper.

Tele 5: Der Film stand anfangs unter einem schlechten Stern.
Warum?

Peter Viertel: Hemingways Novelle hat viel Kraft, ist aber kein
gutes Sujet für einen Film: Schließlich spielt sich die ganze
Geschichte nur in einem Boot ab. Aber der Dreh war sehr amüsant.

Tele 5: Weil Sie mit Ihrem Freund Hemingway zusammenarbeiten
konnten?

Peter Viertel: Hemingway war am Anfang sehr nett. Er hatte mit
Spencer Tracy und Leland Hayward die Funktion des Produzenten. Er
bestand auch darauf, dass ich das Drehbuch schreibe, und setzte das
durch. Wir verstanden uns meistens ganz gut, hatten aber auch
schwierige Phasen.

Tele 5: Zum Beispiel?

Peter Viertel: Hemingway mischte sich ständig in die Arbeit ein.
Auch versuchte er oft, Leute gegeneinander auszuspielen. Hemingway
wollte Spencer Tracy, den er mal einen Alkoholiker nannte, zuerst
nicht haben: Er fand ihn zu dick. Aber Tracy hatte ja mit dem
Produzenten die Rechte an Hemingways Geschichte gekauft, für 150.000
Dollar. Und Hemingway nahm das Angebot gerne an, also gab es für ihn
kein Zurück mehr.

Tele 5: Hatte Humphrey Bogart nicht auch Interesse an der Rolle?

Peter Viertel: Als Seemann wäre Bogart auch eine gute Wahl
gewesen, denn er war dünn und konnte sich gut auf einem Schiff
bewegen. Aber Spencer Tracy hatte die positivere Ausstrahlung. Bogart
sah immer schlecht gelaunt aus. Bogart gefiel das Buch und hätte es
ja kaufen können. Aber er tat es nicht.

Tele 5: Warum hat Fred Zinnemann die Regie während des Drehs
abgegeben?

Peter Viertel: Zinnemann hatte immer die Tendenz, das Handtuch zu
schmeißen, wenn etwas schlimm oder kompliziert wurde. Er war ein
bisschen wie eine Primaballerina. Es war ein wenig schade für den
Film, auch wenn der neue Regisseur John Sturges seine Sache gut
machte.

Tele 5: Wo entstanden die Szenen mit den Haien?

Peter Viertel: Bei einer Insel in der Nähe von Kuba gab es
furchtbar viele Haie. Da haben sie einen Fisch in zwei Hälften
geschnitten, ins Wasser geschmissen und die Szene mit den Haien
gefilmt.

Tele 5: Hat Hemingway die Verfilmung von 'Der alte Mann und das
Meer' gefallen?

Peter Viertel: Hemingway ließ alle seine Bücher und Geschichten
verfilmen. Die meisten mochte er aber nicht. Bei 'Der alte Mann und
das Meer' war es ähnlich, aber er war froh, dass der Film ein großer
Erfolg wurde.

Tele 5: Was mögen Sie an dem Film besonders?

Peter Viertel: Das harte Leben der Fischer wird sehr gut
dargestellt. Und Spencer Tracy hat viele schöne, bewegende Momente.

Tele 5: Wie kamen Sie mit Gary Cooper zurecht, der auch ein Freund
Hemingways war?

Peter Viertel: Gary Cooper war ein sehr einfacher Mensch,
politisch rechts, aber trotzdem ein sehr anständiger Kerl.
Anständiger als viele andere.

Tele 5: Stimmt es, dass Sie Yul Brynner das Reiten beigebracht
haben?

Peter Viertel: Yul Brynner hasste Pferde, musste aber in dem Film
'The Journey' reiten. Und ich habe ihm gezeigt, wie lieb ein Pferd
ist und wie er mit ihm umgehen muss. Er war dann richtig besessen von
dem Pferd und hat es nach Drehschluss nach Kalifornien mitgenommen,
für einen Western. Fortan hat er in seinen Filmen immer auf dem
gleichen Pferd gesessen.

Tele 5: Bei 'The Journey' lernten Sie auch Deborah Kerr kennen.
Ist eine Ehe mit einer so begehrten Schauspielerin nicht von viel
Eifersucht geprägt gewesen?

Peter Viertel: Als wir geheiratet haben, waren wir schon zu alt
für Eifersüchteleien. Wir haben auch nie in Hollywood gelebt. Deborah
war eine Frau, die ganz bestimmt treu war, auch wenn sie ihre Flirts
hatte.

Tele 5: In Ihren Memoiren erzählen Sie, wie Ava Gardner mit Ihnen
bei einem Filmdreh flirtete.

Peter Viertel: Ava hat mit jedem geflirtet, mit dem es ging. Ihren
damaligen Freund hat sie ein wenig gegängelt. Sie wollte ihn mit mir
eifersüchtig machen und ich musste mich sogar mal in ihr Badezimmer
einschließen. Es war aber nie etwas zwischen uns.

Tele 5: Waren Sie verliebt in Sie?

Peter Viertel: Vielleicht zehn Minuten. Bis mittags war sie immer
sehr lieb, dann aber nahm sie ihren ersten Martini und es wurde Zeit,
möglichst weit weg von ihr zu gehen. Sie wurde aggressiv, unangenehm,
dumm. Sie hat sich kaputt gemacht mit Alkohol.

Tele 5: Wurden Ihre Freunde John Huston und Ernest Hemingway auch
unangenehm beim Trinken?

Peter Viertel: Beide waren Alkoholiker. Huston wurde zwar nicht
aggressiv, aber sadistisch. Hemingway dagegen hat Alkohol viel besser
vertragen. Aber sein Charakter war schlecht. Es gab Momente, in denen
er sehr lieb war, vor allem, wenn man mit ihm zusammen war. Wenn man
wegging, hat er immer Mist erzählt.

Tele 5: War Ihr guter Freund Alfred Hitchcock auch so unsensibel?

Peter Viertel: Anders als Hemingway hat sich Hitchcock nie in die
Probleme seiner Arbeiter eingemischt, er war immer diskret. Er wollte
sogar mal, dass ich Regie führe, aber mir hat der Stoff nicht
gefallen. Das war 'Cocktail für eine Leiche'. Trotzdem blieben wir
Freunde.

Tele 5: Wurden Sie nie gefragt, ein Drehbuch über Hemingways Leben
zu schreiben?

Peter Viertel: Nein. Ich bin auch nicht vorgesprungen. Hemingways
Leben ist zu intellektuell, als dass man einen guten Film daraus
machen könnte.

Tele 5: Stimmt es eigentlich, dass Sie die erste Drehbuchversion
des James-Dean-Films 'Denn sie wissen nicht was sie tun...'
geschrieben haben?

Peter Viertel: Der Produzent Jerry Wald, mit dem ich oft und gern
arbeitete, schlug mir das vor. Ich habe die Buchvorlage gelesen, es
war die psychologische Studie über einen jungen Kriminellen. Das fand
ich sehr interessant. Wir machten daraus ein Drehbuch, das alle
lobten. Aber dann kam Nicholas Ray und schrieb alles um. Und der war
nicht mal ein guter Regisseur!

Interview: Steffen Wulf

'Der alte Mann und das Meer', am Montag, 10. Dezember, um 20.15
Uhr auf Tele 5

Textrechte: © Presse Tele 5, Verwertung honorarfrei nur bei
redaktioneller Nennung mit Programmhinweis von Tele 5

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Tele 5. Der Spielfilmsender

Originaltext: Tele 5
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/43455
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_43455.rss2

Pressekontakt:
Tele 5 Pressestelle
Tel. 089-649 568-174/-176, Fax. -119,
E-Mail: presse@tele5.de

Informationen und Bilder zum Programm auch auf www.tele5.de in der
Presselounge
 
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