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Westdeutsche Zeitung: Post-Chef ohne Fingerspitzen-Gefühl = von Ingo Faust

Geschrieben am 05.12.2007 - [Nächster Artikel]

Düsseldorf (ots) - So wenig Fingerspitzen-Gefühl hätte man dem
Post-Chef Klaus Zumwinkel eigentlich nicht zugetraut: Erst den
Aktienkurs der Postaktie hochtreiben und dann persönlich Kasse
machen. Der Verdacht wiegt schwer und wäre, falls er so stimmt, sogar
ein Fall für die Börsenaufsicht. Die Beschwichtigungen, die Zumwinkel
sofort über seine Pressestelle verbreiten ließ, überzeugen wenig.
Zumal sie in einer erneuten Kampfansage an Springer und dessen
privaten Postdienstleister Pin Group gipfeln.
Der erfahrene Manager hätte wissen müssen, dass der Zeitpunkt zum
Versilbern von Optionen denkbar schlecht gewählt war. Nachdem erst am
Donnerstag die Koalition den Mindestlohn für Briefträger beschlossen
hatte und der Kurs der Postaktie deswegen nach oben geschossen war,
macht man am Montag drauf nicht Kasse. Jedenfalls nicht, wenn man
nicht in den Geruch eines Profiteurs einer eigenen Entscheidung
kommen will. Und damit muss Zumwinkel jetzt leben. Denn den
Mindestlohn für diese Branche hatte er mit den Gewerkschaften und dem
Wohlwollen des Großaktionärs Bund ausgeheckt. Damit will er die
private Konkurrenz offenbar gleich zu Anfang des Wegfalls des
Briefmonopols 2008 in die Knie zwingen. Er war sich der Zustimmung
der Großen Koalition sicher. Mit Anstand hätte er vor der
Entscheidung oder mit weit mehr zeitlichem Abstand seine Optionen
einlösen können.
Den jetzt erwirtschafteten Zusatzgewinn von ein paar 100 000 Euro hat
Zumwinkel, der bei der Post im letzten Jahr 4,24 Millionen Euro
verdient hat und von Hause aus gut betucht ist, eigentlich nicht
nötig. Vergütungen in Aktienoptionen sind allerdings bei allen
Managern üblich und ebenfalls problematisch. Die Gefahr eines
Missbrauchs besteht latent für alle. Das System sollte überdacht und
der Erfolg anders belohnt werden.
Dem angekratzten Ruf der Manager, die in den Augen der Bevölkerung zu
übermäßig bezahlt werden, hat Zumwinkel jedenfalls einen Bärendienst
erwiesen. Eine Deckelung der Spitzengehälter durch politische
Vorgaben ist aber keine Lösung. Wir leben in einer Marktwirtschaft
und die ist frei, auch bei der Festlegung von Gehältern. Zumal bei
einer Begrenzung zu befürchten ist, dass die fähigsten Köpfe dann ins
Ausland abwandern.

Originaltext: Westdeutsche Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/62556
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_62556.rss2

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2358
redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de
 
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